Kraniche 2018  18.1.2019

ornitho.de: Kranichbeobachtungen

1.1. - 16.2.2018

Winter 2017/2018: In Brandenburg überwintern in den letzten Jahren alljährlich etwa 5.000 Kraniche. Mit der Kälte haben sie wenig Probleme, aber wenn der Boden gefroren ist oder gar Schnee liegt, wird die Nahrung knapp. Dann machen sie "Winterfluchten" - kürzere Flüge gen SW, bis sie bessere Verhältnisse vorfinden. Das war im Winter 2017/2018 mit bisher nur wenigen Frosttagen nicht nötig. Die Karte zeigt Kranichbeobachtungen vom 1.1. bis 16.2.2018 aus der Datenbank ornitho.de. Es sind nicht so viele, wie es scheint, denn ornitho kann Mehrfachbeobachtungen (die selben Vögel werden von mehreren Beobachtern gemeldet) nicht erkennen. Die Karte lässt aber den Schluss zu, dass in der nördlichen Hälfte unseres Landes bis jetzt "viele" der großen Vögel den Winter verbracht haben.

Sie kommen! In Frankreich melden einige Rastplätze schon seit Mitte Januar deutlich Abflüge. Über dem Lahntal (Marburg) wurden am 12.2.2018 über 17.000 ziehende Kraniche gezählt. Zur gleichen Zeit hat ein Kranichfreund in Linum den ersten Liebesakt dieses Jahres beobachtet, offenbar von einem Paar, das sein Brutrevier dort gar nicht verlassen hatte. Wir haben hier (Brandenburg) auch in früheren Jahren mit Frost und Schnee immer um den 20.2. herum die ersten größeren Kranichflüge nach N/NO beobachtet. So wird es auch in diesem Jahr sein; die Natur ist zuverlässig. Spitzt die Ohren, Freunde, denn wenn sie so hoch fliegen, hört man ihre gurrenden Zugrufe eher als man sie sieht.     

Wetterkunde: Die Wetterkarte stammt vom 14.2.2018. Auf der nördlichen Erdhalbkugel drehen die Winde um Tiefdruckgebiete entgegen dem Uhrzeigersinn und um Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn. Wenn die Verhältnisse geblieben wären wie am 14.2., hätten wir also zwischen dem Tief "RENATE" und dem Hoch "DINO" eine mächtige Strömung nach NO gehabt, den idealen "Schiebewind" für unsere Freunde. 

19.1.2018: Höhepunkt der Winterrast in Spanien

12. - 18.2.2018

26.2. - 4.3.2018

11. - 18.3.2018

Auf der westeuropäischen Route überwintern die meisten Kraniche in Spanien. Die dortigen Kranich-freunde (Grus Extremadura) haben am 19.1.2018 214.302 gezählt (große Karte). Das zweitwichtigste Land im Winter ist Frankreich. Über die Meerenge von Gibraltar nach Nordafrika fliegen nur noch wenige (Januar 2018: 1.875).

Auf den kleinen Karten ist schön zu sehen, wie die Kraniche nach und nach aus Spanien abgezogen sind.

Ganz anders als im Herbst verläuft der Frühjahrszug sehr unregel-mäßig. Sie haben es eilig, ihre Brutreviere zu besetzen und auch die Liebe treibt sie. Aber späte Wintereinbrüche bremsen  und ebenso Gegenwind aus NO, den wir in diesem Jahr seit Ende Februar ständig hatten.

 

Besonders auf der Route Frankfurt am Main - Hessen - Brandenburg sind auch im April noch größere Züge zu erwarten.

 

Mehr dazu finden Sie hier.    

Bei unseren Recherchen haben wir ein bisschen Niederländisch gelernt. "Kraanvogels" heißen die Vögel dort. Am 25.2. schrieben die Freunde: "Met deze temperaturen hebben ze alle energie nodig om zich te redden" - verbunden mit der Bitte, die Vögel nicht zu stören. Am 4.3. hieß es: "geweldige kraanvogeltreks" und am 5.3.: "1663 stuks, wat een feest". Ist das nicht schön?

8.4.2018: Im Frühjahr die letzte große Zählstation ist der Hornborgasee in Südschweden. Obwohl hier ständig Futter gestreut wird, ziehen die großen Vögel schnell durch, um die Brutplätze in Norwegen, Schweden und Teilen Finnlands zu besetzen. Am 27.3. waren hier 2.300 Kraniche, am 4.4. 14.900, am 8.4. 24.500 (Höchtstand) und am 12.4. 16.000. 

 

Das Foto oben ist eine Aufnahme mit der Webcam vom 8.4.2018. Die großen weißen Vögel zwischen den Kranichen sind Singschwäne. Ein ähnliches Bild aus dem Jahre 2014 steht auf unserer Startseite

7.9.2018: Sachkundige Schätzung: im Rhinluch sind schon ca. 10.000 Kraniche. Dank Wassermanagement stehen im Schlafplatz schon kleinere Blänken, aber die Trockenheit ist überall noch groß. Die wöchentlichen Zählungen sollen am Dienstag 25.9.2018 beginnen, wenn der Zuzug bis dahin nicht schon frühere Zählungen erfordert. 

25.9.2018: Wir sind alle sehr gespannt. Nach dem "untypischen" Verlauf 2017 mit dem vielen Regen nun wieder "untypisch" zum anderen Extrem mit der irrsinnigen Trockenheit. Aber immerhin: die heutige Morgenzählung hat 16.337 Kraniche ergeben.

2.10.2018:  49.814, fast wie 2017 zu dieser Zeit, dabei immer noch ohne richtigen Regen

9.10.2018: 

Schöne Nebelstimmung, aber am Silo und in Ziethenhorst starke Sichtbehinderung. So sehen wir nur 40.138 Kraniche.

12.10.2018

Kuhhorst 13:54 Uhr

Kraniche laut rufend, am Himmel in mehreren Etagen. So sieht es aus, wenn sie weiterziehen. Sie kommen wahr-scheinlich vom nahen Schlafplatz Linum, wo sie gewartet haben, bis sich am späteren Vormittag oder Mittag Thermiken bilden. In denen kreisen sie, bis sie genug Höhe haben, und dann segeln sie leicht abwärts, bis sie nach ein paar Kilometern wieder eine Thermik finden.  

Die ersten haben schon ihr Ziel Spanien erreicht (198 am 11.10.2018). 

16.10.2018:  74.442, gezählt bis 09:30 Uhr, und dabei immer noch viele Kraniche im Schlafplatz

23.10.2018: 38.796 und noch viele im Schlafplatz. Starker Wind aus SW, die Kraniche müssen kräftig rudern. Während der letzten Woche war starker Abzug. Sie sind früher gekommen als sonst und ziehen auch schneller weiter. 

30.10.2018: 30.893. In den letzten Tagen war starker Abflug. Heute haben wir Wind aus Süden, da fliegen nicht viele weg. Aber auch immer noch Zuzug. Alleine im Warthe-Nationalpark (Polen) sind 15.000. 

6.11.2018 8:25 Bei Linumhorst

6.11.2018: 22.451

Leichter Dunst über den Wiesen und in der Ferne. Angenehm warm. 

Zählen macht Spaß

13.11.2018: 22.944 Leichter Regen, schlechte Sicht. Als wir um 9:15 aufhören, stehen noch sehr viele im Schlafplatz; außerdem haben wir bei diesen Verhältnissen viele gar nicht gesehen. 

20.11.2018: 2.576 Kalter Ostwind, Schiebewind für die Kraniche. In den letzten Tagen war großer Abflug. Kommt gut wieder, gefiederte Freunde, im Frühjahr 2019!

Wieder ein Diagramm von Freund Moriz Rauch:

Herbstzählungen in Linum 2014-2018.

Der "Rekord" 2014 war ein "Ausreißer" nach oben,

die anderen Jahre liegen nicht weit auseinander.

Die Kranichfrau BuBuW-WBkG am 21.2.2018 bei Neu-Schwante/Bbg.

Foto Moriz Rauch

Madame wurde am 29.6.2005 als noch nicht flugfähiger Jungvogel in Mecklenburg-VP beringt, seitdem über 160 mal beobachtet und an die Datenbank ICORA gemeldet (Stand August 2018). Nur im ersten Winter gibt es Beobachtungen aus Spanien, sonst nur aus Frankreich, wobei sie in manchen Jahren schon im Dezember wieder in Deutschland war (meistens in Brandenburg). 2011 heißt es zum Familienstand erstmals "Paar ohne Jungvogel" und ab 2013 regelmäßig "Paar mit 2 Jungvögeln" bzw. - nach ein paar Wochen - meist nur noch "Paar mit 1 Jungvogel". 2018 - also im Alter von 13 Jahren - ist sie erstmals noch im August mit 2 Jungvögeln beobachtet worden.

"Grullas" heißen die Kraniche in Spanien und "grulleros" ihre menschlichen Freunde. Von denen scheint es auch dort viele zu geben. In mehreren Landesteilen finden während der winterlichen Rast Kranichfeste statt. Unser Foto zeigt ein Plakat aus der Extremadura, dem Hauptrastgebiet, wo sie gerade 133.000 Kraniche gezählt haben.

Und die erste Zählung dieses Winters für ganz Spanien (14.12.2018):     255.301. 

Hier ist nun der Jahresabschluss, die schöne Karte unserer spanischen Freunde. Am 15.12.2018 haben sie in Spanien 255.300 und in Portugal 11.600 Kraniche gezählt.

In der Extremadura, dem Land "jenseits des Duero", überwintern wie immer die meisten Kraniche. Und sonst? Dünn besiedelt (1 Mio. Einwohner auf über 40.000 qkm). Weinbau, Steineichen (dehesas), schwarze Schweine, Bauten aus der Römerzeit, Pardelluchs und Wölfe.

Aber täuschen wir uns nicht! Im Sommer haben sie in Spanien gerade 2018 zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Brutpaar beobachtet. Zusammen mit den ca. 100.000 Kranichen, die in Frankreich und in kleinerer Zahl in Deutschland und anderen Ländern überwintern, verbringen ca. 300.000 von ihnen den Sommer in Skandinavien, in Polen, dem Baltikum und Russland. Dort haben sie noch viel Platz. (Das sei gesagt für die Leute, die schon überlegen, ob es nicht "zu viele" Kraniche sind und ob die "Schaden machen".)

Das war's endgültig für das Kranichjahr 2018.

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