Oberes Rhinluch

III. Wasser für die Kraniche                  21.9.2018

Kraniche wollen zum Schlafen im flachen Wasser stehen. Die Ansammlung von bis zu 100.000 Kranichen bei der Herbstrast in Linum ist nur möglich, weil dort ein relativ ungestörter "Schlafplatz" in Gestalt einer ca. 1 km² großen frei übersehbaren Wiesenfläche vorhanden ist, auf der im Herbst in vielen Blänken 20-30 cm hoch das Wasser steht.

5.11.2014 Schlafplatz Linum am frühen Morgen

Schon in früheren Jahren war diese Überflutung nicht immer problemlos. Wenn es gegen Ende des Sommers nicht genug regnete, drängten die Kranichbetreuer auf rechtzeitiges Öffnen der Gräben, während die Landwirte noch einmal auf hinreichend trockenen Wiesen mähen wollten. Aber die gegensätzlichen Interessen ließen sich (bis auf 2011) einvernehmlich regeln - auch durch Einsatz von Fördermitteln (Vertragsnaturschutz).

Oktober 2010 - "normal" sieht es im Luch so aus

Jetzt - im Herbst 2018 - gibt es nun ganz andere Probleme. Es hat in Brandenburg seit April nur wenige cm Regen gegeben. Die meisten Gräben sind ausgetrocknet, die sonst saftigen Wiesen braun. Aber auf dem Schlafplatz sammelt sich seit Anfang September langsam Wasser. Bei der Suche nach Erklärung für dieses Wunder sind wir durch das freundliche Entgegenkommen der zuständigen Behörde auf faszinierende Zusammenhänge im Wassermanagement gestoßen.

 

Die Müritz - größter innerdeutscher See und ca. 70 km Luftlinie entfernt - die Rheinsberger Seen - ca. 35 km Luftlinie - und "unser" Rhin sind durch ein Gewirr von kleinen Seen und Kanälen untereinander verbunden. Die beiden ersten sind Bundeswasserstraßen, bei denen die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wegen der Schifffahrt für die Einhaltung von Mindestwassertiefen (ausgedrückt durch die zulässigen "Tauchtiefen") zu sorgen hat. Der Rhin ab Rheinsberg ist Landeswasserstraße mit einem ähnlichen Wasserregime durch das Land Brandenburg. 

 

In den vergangenen Sommermonaten hat die Schifffahrtsverwaltung Wasser aus dem "Speicher" Müritz durch den mit Wehr gesteuerten "Umfluter" bei der Schleuse Wolfsbruch in die Rheinsberger Seen fließen lassen. Von dort gelangt das Wasser über weitere Schleusen innerhalb des Landkreises in den Rhin und schließlich über Wehre ins Obere Rhinluch. Der Wasserspiegel der Müritz liegt "normal" 62 m über NHN und das Rhinluch nur 40 m über NHN.  

Karte für nicht Landeskundige. Die Müritz liegt am oberen Bildrand etwa in der Mitte, das Obere Rhinluch südlich von Neuruppin etwa in Kartenmitte. Durch den groben Maßstab sind hier nur ganz wenige der Seen der Mecklenburger und Brandenburger "Seenplatten" zu sehen.

"Speicher" bedeutet hier nicht einen eigens angelegten Stausee, sondern es ist die Bezeichnung für die einem See bei der Regulierung entnehmbare Wassermenge (Schwankung der Höhe des Wasserstandes x Seefläche). Bei den Brandenburger Seen betragen diese für zulässig gehaltenen Schwankungen "normal" 40-45 cm.

Die Rettung des Schlafplatzes in diesem Jahr verdanken wir also der Tatsache, dass in der Müritz über die Sommermonate noch ableitbares Wasser vorhanden war, dass ausreichendes Gefälle zu unserem Kranichrastgebiet besteht, dass dazwischen Bundeswasserstraßen mit ihren speziellen Anforderungen an die Tauchtiefen liegen und schließlich, dass die Behörden des Landes und des Landkreises sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Naturschutz bewusst waren.

Dieser Sommer kann ein Vorgeschmack auf kommende Wasserprobleme selbst in Deutschland und sogar dem wasserreichen Land Brandenburg sein, wenn wir mit dem "rasenden Stillstand" beim Klimaschutz so weitermachen. 

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