Biologische

Vielfalt       04/2017

 

... oder auch "Biodiversität" bedeutet dreierlei:

  • Artenvielfalt (Anzahl der Arten)

  • genetische Vielfalt innerhalb jeder einzelnen Art (Anpassungsfähigkeit)

  • Vielfalt der Ökosysteme (Lebensräume)

Erdhummel an Oregano, Ende Juli.

Die kleinen Gewürzstauden sind ein Magnet für alle Blütenbesucher.

Die Biodiversitätskonvention der UN ist seit 1993 ein völkerrechtlich bindender Vertrag. Bei Wikipedia heißt es dazu tiefsinnig: "... sehr erfolgreich, ... hat aber mit praktischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Vertragstaaten sind völkerrechtlich zur Umsetzung der Konvention verpflichtet, jedoch nicht gezwungen." 

 

So ähnlich kann man auch die Situation in Deutschland beschreiben. Seit 2007 gibt es eine "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" mit Plänen, Initiativen, Arbeitsgruppen usw., Forschung natürlich auch - aber das Artensterben geht immer weiter, hat sich sogar noch beschleunigt. 

 

Mehr als 50 % unserer Landesfläche werden von der Landwirtschaft genutzt. Soweit sie industriell betrieben wird - mit einem Übermaß an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, auf immer größeren Flächen, zwischen denen die Hecken immer weiter verschwinden - .....

... führt sie in der Agrarlandschaft zu einem besonders schnellen Artensterben. Das ist seit langem unbestritten (mit Ausnahme der passenden Lobby). Wir bringen das hier nicht, weil wir "immer" gegen die Landwirtschaft sind - nur gegen die industrielle! - sondern aus besonderem Anlass. 

 

Im Pestizid-Brief Nr. 1-2017 bringt das internationale Pestizid-Netzwerk PAN die Zusammenstellung einschlägiger Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte. Diese zeigen das wahre Ausmaß der Katastrophe noch viel deutlicher als wenn nur die letzten 10-15 Jahre verglichen werden:

 

  • Die Biomasse der flugfähigen Insekten in der Agrarlandschaft, 1970 = 100 % gesetzt, betrug 1989 noch 50 % und 2013 11 %. Nimmt man als Basis gar das Jahr 1936, dann liegt der Wert für 2013 noch bei ganzen 2 %.
     

  • Die mittleren Artenzahlen von Beikräutern je Feld ("Ackerunkräuter", Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel), wieder 1970 = 100 % gesetzt, lagen 2000 bei 22 % und 2013 bei 2,5 %, und das bei 2-4 mal so großen Feldern. 

21.1.2017 in Berlin. Mehr als 100 Traktoren aus ganz Deutschland waren bei der Demonstration für eine Agrarwende.

Der Anteil "naturnaher" Flächen in der Agrarlandschaft (Randstreifen, Hecken) soll zum Erhalt der Biodiversität 7-10 % ausmachen. Nach einer EU-weiten Studie (10 Länder, 39 Regionen) liegt er tatsächlich im Schnitt bei 0,3 %. Der Verfasser dieses Beitrages kann nicht vergessen, wie 2013 die damalige Landwirtschaftsminsterin Ilse Aigner bei ihrer Rückkehr von den abschließenden Verhandlungen aus Brüssel stolz verkündet hat, dass es ihr gelungen sei, "das Schlimmste" für die deutsche Landwirtschaft zu verhindern. Es hatte nämlich die Hoffnung bestanden, dass in der nächsten Periode (2013-2020) die Höhe der landwirtschaftlichen Fördermittel an das Vorhandensein solcher "Grünstreifen" geknüpft werden würde. 

Aktueller Anlass Nr. 2: Die derzeitige Kampagne um die Plakataktion der Bundesumweltministerin Frau Hendricks. Beim Ausmaß der oben geschilderten ökologischen Katastrophe: sind diese Plakate nicht viel zu niedlich und harmlos, entsprechen auch nicht im entferntesten der tatsächlichen Problematik? Aber ein Teil der Diskutanten behauptet, durch sie wäre ein ganzer Berufsstand (Landwirtschaft) diskreditiert, beleidigt, pauschal verurteilt usw. Frau Hendricks musste "bedauern".
 

Ja, geht's noch? Nicht nur, dass dieser Teil der Landwirtschaft einen Großteil unserer Böden kaputtmachen darf, das Grundwasser verseucht, das Artensterben beschleunigt, hierfür Milliarden Fördermittel kassiert - jetzt wollen sie noch ein Schreibverbot für Themen haben, die irgendwie auf diese Probleme hinweisen könnten. Dass die "Bienen" zum Leben auf Pollen und Nektar aus Blüten angewiesen sind, ist eine bloße Tatsachenfeststellung. Und die soll man nicht verbreiten dürfen? 

 

Übrigens: Mit "Bienen" sind nicht nur die Honigbienen gemeint, auch die Hummeln gehören dazu. Alleine in Deutschland gibt es ca. 500 Bienenarten ("Wildbienen"), die u.a. für die Bestäubung unserer Nahrungspflanzen sorgen.

Nachfolgend finden Sie Links zu unseren weiteren Beiträgen zur biologischen Vielfalt. 

"Wir werden uns ökologisch ernähren - oder gar nicht mehr" sagt nicht nur der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittel-wirtschaft. Hier

Wieviel Fläche Deutschlands nutzt die Landwirtschaft? Wieviel Arbeitsplätze bietet sie? Hier 

Was ist Glyphosat? Wie wirkt es? Wie könnte man es verbieten? Hier

Wie ist das mit dem Nitrat? Woher stammt das Überangebot, das Böden und Wasser schadet? Hier

Haben Sie sich ein Vogelschutzgebiet so vorgestellt? Wie sich Brandenburger Behörden weigern, das geltende Naturschutzrecht anzuwenden. Hier

"Gute fachliche Praxis". Beantragt war "Heckenpflege". Danach - oh Wunder - war Platz für ein paar Spargelreihen mehr. Darf Landwirtschaft alles?  Hier  

Wieviel Schutz gibt ein Naturschutzgebiet? Hier

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