
Vogelgrippe 2025 17.1.2026

Ein Bild zum Heulen. Am Stausee Kelbra (Sachsen-Anhalt) sammeln Helfer in Schutzanzügen tote Kraniche ein, um die Weiterausbreitung der Infektion einzudämmen. Solche Haufen bleiben übrig von den stolzen Vögeln des Glücks. foto M. Rapp
Was ist passiert?
Anfang Oktober 2025 wurden tote Kraniche in Mecklenburg gefunden; ab dem Wochenende 11.-13.10. gab es ein Massensterben am großen Rastplatz in Linum (Brandenburg) und ab 17.10. am Stausee in Kelbra. In der Folge gab es tote Kraniche mit abnehmenden Zahlen längs des ganzen Zugweges bis nach Frankreich und Spanien. Ab Dezember 2025 scheint das Sterben beendet. Die Zahl der gestorbenen Kraniche wird auf 40.000 geschätzt (es werden ja nicht alle gefunden). Das sind ca. 10% aller auf der westeuropäischen Route ziehenden Kraniche (jeder Zehnte!). Die ersten offiziellen positiven Tests auf das Vogelgrippevirus H5N1 wurden in Brandenburg am 13.10.2025 gemacht.
Erklärt das den Einbruch der Zählergebnisse aus Linum?
Jein, nur indirekt. Der Höhepunkt der Kranichrast in Linum ist Mitte Oktober, in den letzten Jahren mit etwa 70.000 gleichzeitig anwesenden Kranichen. Am 14.10.2025 waren es nur 23.690 und am 21.10.2025 sogar nur noch 6.960. Vermutlich sind die Kraniche schnell weitergezogen, wenn aus ihrer Mitte Artgenossen gestorben sind - und haben damit die Infektion weiter verbreitet. Die Aktiven in Linum haben auch beobachtet, dass auffallend viele Kranichzüge in diesem Jahr nicht gelandet sondern weitergeflogen sind. Die klugen Vögel! Haben Sie auf die vielen Helfer reagiert, die am Boden auf der Suche nach toten Kranichen unterwegs waren - haben sie kranke und tote Artgenossen am Boden gesehen oder haben sie an noch anderen Signalen gemerkt, dass am Boden tödliche Gefahr drohte?
War das ein einmaliges/erstmaliges Ereignis?
Nein. Im Herbst 2021/22 gab es ein Kranich-Massensterben an einem großen Rastplatz in Israel (ca. 8.600) und 2023 ebenso in Ungarn (>10.000).
Schon seit Jahrzehnten gibt es Ausbrüche in den Massenhaltungen des "Nutz"geflügels zu allen Jahreszeiten (2005 in China, seitdem nach und nach fast weltweit); 2025 in Deutschland im Juli in Bayern; am 1.9. in Schleswig-Holstein (Hühner); am 10./11.9. in Mecklenburg (Hühner, Enten, Gänse); Ende September in Thüringen und NRW.
Was ist die Ursache?
Übereinstimmung herrscht, dass es das Virus H5N1 ist. Keine Übereinstimmung gibt es zu der Frage, ob diese besonders für Vögel tödliche Mutation in den Ställen der Massentierhaltung entsteht und von dort auch zu den Wildvögeln gelangt oder ob die Wildvögel die Mutation mitbringen, die dann "irgendwie" in die Massenställe gelangt ("Wildvogelthese").
Es spricht viel dafür, dass der Infektionsweg von den Massenställen zu den vorbeiziehenden Wildvögeln geht (Lebensumstände der Tiere in der Massenhaltung; ständiges Ausblasen der virenbelasteten Abluft aus den Ställen; Ausbringen toter Vögel und Kot als "Dünger" auf die Felder; Lieferverkehr; die zeitliche Verteilung der Ausbrüche). In den unten verlinkten Beiträgen, die wir nach den ersten Übersichten unseres Vorstandskollegen Axel Kruschat erhalten haben, ist das nach unserer Ansicht überzeugend dargestellt
Ist die Frage in der Wissenschaft nicht abschließend geklärt?
Nein. "Zuständig" hierfür wäre das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), eine staatliche Einrichtung zur wissenschaftlichen Forschung im Bereich der Landwirtschaft, dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellt. Das FLI hält die Frage des Infektionsweges mit der "Wildvogelthese" für ausreichend geklärt und betreibt - soweit erkennbar - keine weitergehende Forschung.
Wir halten das für einen Skandal. Auftrag einer aus Steuermitteln finanzierten staatlichen Forschungseinrichtung ist die vorbehaltlose - eben wissenschaftliche - Klärung solcher Fragen - im Interesse der menschlichen Gesundheit, der Artenvielfalt und zur Entwicklung möglicher Gegenmaßnahmen.
Statt dessen betätigt sich das FLI wie eine Lobbyorganisation der Landwirtschaft (siehe auch dazu die folgenden Beiträge). Dieses Fehlverhalten erinnert fatal an die Rolle, die das Kraftfahrtbundesamt (Bundesverkehrsministerium) beim Abgasskandal der Automobilwirtschaft gespielt hat (und noch spielt) oder an die mindestens sehr unglückliche Informationspolitik des Robert-Koch-Instituts (Bundesgesundheits-ministerium) bei der Coronakrise.
Bitte lesen Sie selber:
Steiof-Petermann, Von der Vogelgrippe zur Geflügelpest -
die Geflügelwirtschaft als Reservoir und Vektor hoch
pathogener Vogelgrippeviren, 2026 hier
Petermann, Die Verbreitung von Geflügelpest durch den
Geflügelhandel - Fallbeispiele, 2022 hier
Idel, Die Illusion der Seuchenfreiheit - Ignoranz und Pandemie-
Panik, Beispiel Vogelgrippe, 2025 hier
Kruschat, Hintergrundpapier zur Vogelgrippe, Entstehung, Gefährdung,
Verbreitung, 2025
ders., aktuelle Situation 8.11.2025
